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Für Spargel-Stech-Kurs in Bethen machen sich die Teilnehmer krumm

Wolfgang Lüske möchte aufklären und holt deshalb Laien aufs Feld

Für Spargel-Stech-Kurs in Bethen machen sich die Teilnehmer krumm

Wolfgang Lüske möchte aufklären und holt deshalb Laien aufs Feld

 Es ist rund 30 Jahre her, dass Ursula Weinert auf einem Feld Spargel gestochen hat, um sich etwas dazuzuverdienen. Verlernt hat sie es nie, wie sich am Samstag zeigte, denn gemeinsam mit ihren Töchtern griff sie zu Stechmesser und Glättkelle, um das Abendessen zu sichern. Ein Geburtstagsgeschenk, erklärt Tochter Daniela. „Mama hat häufiger davon gesprochen, das noch mal wieder probieren zu wollen. Als wir hiervon erfahren haben, haben wir uns angemeldet.“

Corona-Abstände können locker eingehalten werden 

Der leichte Regen kann dem Trio und den weiteren Lehrgangsteilnehmern nichts anhaben. Wolfgang Lüske hat den Kurs mit dem Bildungswerk angeboten. Corona hat den Veranstaltungskalender des Bildungswerks mächtig ausgedünnt, doch der Bührener wollte auf die Offerte nicht verzichten, zumal die erforderlichen Abstände auf dem Feld locker eingehalten werden können. 

Christoph (links) und Wolfgang Lüske (rechts) zeigen, wie`s geht. Wie kommt man darauf, Menschen diesen Kurs anzubieten? Lüske: "Jeder hat eine Meinung zum Spargelstechen und alle sagen, dass ist eine schwere Arbeit. Gemacht hat sie aber noch niemand. Ich finde, eine Zimmerdecke zu tapezieren, ist viel schwerer." Bei seinem Bruder in Bethen hat er das passende Spargelfeld gefunden und neben der reinen Ernte erfahren die Teilnehmer eine Menge über das edle Gemüse.

 

 

 Das Zeitfenster zum Stechen reicht vom Frühling traditionell bis zum 24. Juni. Mit einer "Fußbodenheizung" könnte man sogar Mitte März bereits die ersten Stangen aus dem Boden holen. Die Wachstumsregulierung auf dem Feld von Christoph Lüske erfolgt allerdings durch die Folie, die eine schwarze und eine weiße Seite hat. Zeigt die dunkle nach außen, wärmt sich der Damm in der Sonne auf. Wenn die Temperaturen steigen, wird die Plane umgedreht, um die Erde kühler zu halten. "Außerdem wächst unter der Folie kein Unkraut", nennt Christoph Lüske einen weiteren Vorteil. 

Stich ins Herz tötet die Spargelpflanze unwiderruflich 

Bevor sich die Kursteilnehmer ans Werk machen, gräbt Wolfgang Lüske eine Pflanze frei. So ist zu sehen, wie weit in den Boden das Wurzelwerk reicht und wo das Herz der Pflanze sitzt. "Dort darf man nicht hineinstechen, dann ist sie tot." Das möchte man natürlich vermeiden, denn ein Spargelfeld ist für mehrere Jahre angelegt. Im ersten Jahr nach dem Pflanzen gibt es nichts zu ernten und im zweiten Jahr ist die Ausbeute noch gering. Dann lohnt es sich aber und ein guter Spargelstecher schafft bis zu 30 Kilogramm pro Stunde, wie Wolfgang Lüske versichert. 

Davon sind die "Lehrlinge" allerdings ein wenig entfernt. "Kann man auch etwas dazu kaufen?", fragt eine Cappelnerin. 5 Kilo lautete der Auftrag ihrer Mutter und nach einer Stunde war die bestellte Menge erreicht – auch ohne Zukauf.

 5 Kilo binnen 30 Minuten geerntet 

Das ist auch die Ausbeute von Grit Zuber. Zusammen mit ihren Kindern Frederick und Josefine haben sie in der halben Zeit die Metallkiste gefüllt. "Wir haben davon gelesen und uns gleich gesagt, das müssen wir ausprobieren", berichtet Grit Zuber. Vor einem Jahr haben sie nebenan bereits Heidelbeeren selber gepflückt. 

Hildegard Heydt outet sich als großer Fan des Stangenspargels. "Den könnte ich jeden Tag essen, aber ich habe ihn noch nie selber gestochen", sagt die Vahrenerin. 4 Kilo hatte sie sich als Ziel gesetzt, als sie bereits am vergangenen Mittwoch an den Höltinghauser Weg gekommen ist. Das aufziehende Gewitter ließ sie und die anderen Teilnehmer aber aus Sicherheitsgründen das Feld räumen. Nächsten Mittwoch will sie wiederkommen. 

Nach dem Spargel folgt die Erdbeere 

Etwa 4, vielleicht 5 volle Stechjahre gibt ein Feld her, dann geht der Ertrag merklich zurück. Unmittelbar danach wieder Spargel anbauen, das gibt der Boden aber nicht her. „Etwa 20 Jahre Pause benötigt der Acker“, rechnet Christoph Lüske vor. Was hingegen ganz wunderbar funktioniert: Erdbeeren nach Spargel. Deshalb gibt es meistens auch beides auf einem Hof und nicht zuletzt, weil die in der Regel aus Polen kommenden Mitarbeiter so durchgängig beschäftigt werden können. 

Denn so viel Spaß die eigene Erfahrung auch macht: den fertig geernteten Spargel am Stand zu kaufen, bevorzugen die meisten Teilnehmer des Lehrgangs dann doch. 

 

Copyright:
Text / Fotos: Thomas Vorwerk