Martin Kessens

Männersache

33 Monate dauernde Geiselhaft untern den pakistanischen Taliban

Cloppenburg. Eine Stecknadel konnte man im Seminarraum des Bildungswerkes fallen hören, als Bernd Mühlenbeck in der Männersache von seiner 33-Monate dauernde Geiselhaft untern den pakistanischen Taliban erzählte. Mühlenbeck war Entwicklungshelfer der Deutschen Welthungerhilfe als er 2012 zusammen mit seinem italienischen Kollegen Giovanni entführt wurde. Er schildert in seinem Buch „Very soon is far away- Sehr bald ist weit entfernt“ seine Erlebnisse als Gefangener der Taliban und Mudschaheddin seinen Leidensweg in sieben verschiedenen Häusern. „Very soon seid ihr frei wurde uns wiederholt versichert“, sagte Mühlenbeck, „doch uns wurde im klarer: Very soon is far away“. Dieser immer wieder geäußerte Satz der Entführer gab seinem Buch den Titel. Die Entführung geschah während er mit seiner Frau per Skype telefonierte, die die Gefangennahme durch drei bewaffnete Männer direkt miterlebte. „Ich habe mich an alle Sicherheitsvorschriften, die wir gelernt hatten, gehalten und glaubte zunächst an einen Raubüberfall, sagte Mühlenbeck, „doch es wurde ein fast dreijähriger Leidensweg“. Er bezeichnete die Entführer als Amateure, „das macht sie noch gefährlicher“, erzählte er. Immer wieder seien die beiden Geiseln von einer Talibangruppe an die andere verkauft worden. Er selbst sei „sehr gut“ behandelt worden, was er u.a. seinem Alter zu verdanken habe. „Die Taliban haben großen Respekt vor älteren Menschen“, machte er deutlich. Erniedrigend aber sei die Bewachung bei den Toilettengängen gewesen und nachdem die Entführer ihm seinen Ehering entrissen hatten, brach für ihn eine Welt zusammen. „Ab da waren sie für mich Schwerverbrecher“. Das Bundeskriminalamt (BKA) betreute seine Frau fast rund um die Uhr. Erst Weihnachten 2012 gab es ein Lebenszeichen per Videobotschaft von ihm. In der Zeit der Geiselhaft habe er 10.000 Blatt Papier beschrieben. Die wurden ihm bei seiner Freilassung genommen, „aber ich habe alles im Kopf behalten“, versicherte er. Giovanni und er hätten sich mit einem selbstgebastelten Schachspiel die Zeit vertrieben, und mit den Entführern haben wir Kniffel gespielt“, sagte er sehr zum Erstaunen der Männer. „Ja, es tat sich so etwas wie ein „Stockholm-Syndrom“ (Entführte sympathisiert sich mit den Entführern) auf. „Es ist Lösegeld geflossen- viel Lösegeld“, fuhr er fort. Über Masar-e Scharif in Afghanistan sei er schließlich nach Deutschland ausgeflogen worden. Giovanni aber sei bei einem versehentlichen Bombenangriff durch die Amerikaner ums Leben gekommen. Nach Zeiten der Rehabilitation zog es ihn nochmals als Entwicklungshelfer nach Myanmar. „Ich musste es mir noch einmal beweisen und Frieden finden“, sagte er.„Außer einem Bandscheibenleiden, das ich aufgrund des Schlafens auf dem Boden, davontrug, geht es mir psychisch und physisch gut.“