Martin Kessens

Erreichung des Frauenwahlrechts

Cloppenburg (kes). In vier Phasen teilte Dr. Hubert Gelhaus die Erreichung des Frauenwahlrechts auf. 1906 durften in Finnland, als erstes europäisches Land, Frauen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, bis als letztes europäisches Land Liechtenstein 1984 den Frauen das Wahlrecht einräumte. Aus Anlass der Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren in Deutschland lud das Bildungswerk in Kooperation mit der katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (KFD)  zu einem politischen Frauenfrühstück ein. Dabei ging es nicht ausschließlich um das Wahlrecht, sondern grundsätzlich um die Gleichberechtigung der Frauen. Überkommene Frauenbilder lösten bei den Frauen Kopfschütteln aus, doch auch Bewunderung für die Kämpferinnen für die Gleichberechtigung. In einem Aufruf zum Verbot des „Frauenstimmrechtsverein“ heißt es 1907: „ Sie dürfen dem Staate die Bürger gebären, sie dürfen sie säugen, betreuen und lehren, sie dürfen wie Männer durch Arbeit sich nähren, doch wehe, sobald sie zu stimmen begehren." Die Französische Revolution 1789 sei die Geburtsstunde  der Frauenbewegung in Europa gewesen, sagte Gelhaus, in Deutschland habe sich  Luise Aston als Vorkämpferin einen Namen gemacht, die herausragende Persönlichkeit sei Clara Zetkin gewesen. Der Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts in der Weimarer Republik komme eine epochale Bedeutung in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung zu, fuhr Gelhaus fort. In der Umbruchsituation am Ende des Ersten Weltkrieges wurde den Frauen durch den Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918 das aktive und passive Wahlrecht gesetzlich zuerkannt. Eine rege Diskussion entfachte die Frage, ob Männer und Frauen heute gleichberechtigt seien. Dies sei zwar im Grundgesetz verankert, doch in der Gesellschaft müssen noch viel mehr zur vollen Gleichberechtigung getan werden.  „Gleiche Arbeit- gleicher Lohn“ sei in den Köpfen vieler Arbeitgeber noch nicht angekommen“, hieß es.